Andrés Ramírez Gaviria: Interval
Zeitgenössische Kunst Ausstellung
Verbindung zu esel.at
Eine Zusammenarbeit mit der Toronto Biennale 2026, Kanada
Unsere Herbstausstellung präsentiert die Lichtinstallation Sources, von Andrés Ramírez Gaviria, die mit Unterstützung von Phileas für die 2026 Toronto Biennial of Art in Kanada realisiert wurde. Während einer Recherchereise in Wien im Rahmen unseres Visitor Programmes, lernte die Kuratorin Allison Glenn den Künstler kennen und lud ihn zur Teilnahme an der Biennale ein. Sources wird dort an zwei zentralen Orten gezeigt: im Art Museum der Universität von Toronto sowie am CN Tower, einem der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt.
In Sources übersetzt Gaviria Radiowellen ferner Himmelskörper in eine installative Lichtarbeit. Die Signale verschiedener kosmischer Objekte, die viele Milliarden Lichtjahre zurücklegten, bevor sie die Erde erreichten und dort von Astronom:innen aufgezeichnet wurden, erscheinen hier als Lichtsignale mit wechselnden Frequenzen und Pausen. Für die Ausstellung in Wien hat Gaviria die Lichtinstallation speziell für die Räume von Phileas adaptiert. Der Ausstellungstitel INTERVAL spielt mit der Doppeldeutigkeit des Begriffs, der sowohl ein räumliches Maß als auch die Zeitspanne zwischen zwei Ereignissen bezeichnet.
Daran anknüpfend zeigt Gaviria auch seine Arbeit Mètre, die sich mit der Geschichte des metrischen Systems befasst. Ausgangspunkt sind die sogenannten mètre étalon, insgesamt 16 öffentliche Referenzmaßstäbe, die während der Französischen Revolution im Stadtraum von Paris installiert wurden, um der Bevölkerung die neue Maßeinheit näherzubringen. Heute sind nur noch zwei dieser étalons erhalten, von denen Gaviria Repliken aus Marmor angefertigt hat. Die Arbeit stellt infrage, ob sich eine standardisierte Maßeinheit jemals in einer materiellen Form festschreiben lässt. Die historischen étalons waren nie identisch und veränderten sich unweigerlich im Laufe der Zeit durch natürliche Materialprozesse. Auch Gavirias Nachbildungen zeigen Abweichungen und machen die Instabilität von Maß, Norm und Reproduktion sichtbar.
Gemeinsam eröffnen Gavirias Arbeiten einen Raum, in dem wissenschaftliche Genauigkeit und Verschiebungen aufeinandertreffen und verdeutlicht wird, dass jedes Ordnungssystem zugleich ein System der Interpretation ist.