51.100 – The List of No Return
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Installation von Kerstin Bennier bei FRAU* schafft Raum
Kerstin Benniers Installation „51.100 – The List of No Return” bei FRAU* schafft Raum führt das weltweite Ausmaß von Femiziden vor Augen. Zugleich erinnert sie an den tödlichen Angriff auf die Trafikantin Nadine W., der sich im März 2026 bereits zum fünften Mal jährt.
Laut UN-Schätzungen wurden im Jahr 2023 weltweit rund 51.100 Frauen durch ihre Partner oder nahe Familienangehörige getötet - das entspricht durchschnittlich 140 Frauen pro Tag. Diese Zahl bildet den Ausgangspunkt von Benniers Installation, die noch bis 14. April 2026 bei FRAU* schafft Raum zu sehen ist. Die Künstlerin übersetzt das abstrakte Ausmaß geschlechtsspezifischer Gewalt in eine präzise visuell erfahrbare Struktur: Die Arbeit besteht aus 365 kleinen Täfelchen, von denen jedes exakt 140 feine Striche trägt. In ihrer seriellen Wiederholung verdichten sich die einzelnen Markierungen zu 51.100 Spuren von Leben, die durch Männergewalt zu früh beendet wurden. Auch wenn die Datenerhebung zunehmend schwieriger wird, weil immer weniger Länder entsprechende Zahlen erfassen und melden, geht die UN davon aus, dass die Anzahl der Femizide gleichbleibend ist.
Die Installation verzichtet bewusst auf narrative oder illustrative Mittel. Stattdessen verweist sie auf die Systematik und weltweite Kontinuität von Frauenmorden und schafft einen stillen Raum des Erinnerns und der Reflexion. Femizide erscheinen hier nicht als isolierte Einzelfälle, sondern als strukturelles, menschenrechtliches Problem.
Begleitend zur Ausstellung findet am 5. März 2026 um 18 Uhr am Ni-Una-Menos-Platz eine öffentliche Mahnwache mit musikalischer Einlage auf Initiative von Bezirksvorsteherin Saya Ahmad statt. Anlass ist der fünfte Jahrestag des Femizids an Nadine W., die am 5. März 2021 von ihrem Ex-Partner in ihrer Trafik in der Nußdorfer Straße 4 in Brand gesetzt wurde und einen Monat später an ihren schweren Verletzungen verstarb. Die Mahnwache versteht sich als Zeichen des Gedenkens, der Solidarität und der gemeinsamen gesellschaftlichen Verantwortung.
Dieser Angriff war der Anlass den feministischen Kunstraum FRAU* schafft Raum zu initiieren. Durch die architektonische Umgestaltung von Laura Frediani / FREDIANA.studio wurde die ehemalige Trafik 2023 zu einem Gedenkort, einer Plattform für Kunst, Erinnerung und Dialog. Durch wechselnde Ausstellungen bleibt dieser Erinnerungsort aktiv und wird nicht zu einem blinden Fleck im Straßenbild. Zeitgenössische Künstlerinnen setzen sich hier mit Gewalt an Frauen*, Menschenrechten und Empowerment auseinander.
Vor dem Hintergrund, dass der Alsergrund 2021 einstimmig zum Wiener Menschenrechtsbezirk erklärt wurde, thematisiert FRAU* schafft Raum Gewalt gegen Frauen* als geschlechtsspezifische Menschenrechtsverletzung und trägt zu deren Enttabuisierung bei. Als niederschwellige, kostenfreie Plattform verbindet der Kunstraum künstlerische Praxis mit menschenrechtlicher Bildungsarbeit und fungiert zugleich als Ort des Gedenkens, der Information und der gesellschaftlichen Reflexion über Gewalt gegen Frauen*.